Junge Führungskräfte diskutieren

Ist das vielleicht zu reißerisch? Auf jeden Fall leiden in unserer modernen Arbeitswelt 4.0 die Menschen unter disruptiven, turbulenten und verunsichernden Veränderungen. Vom Berufsanfänger bis zum Vorstand sagen uns die Leute, dass sie Veränderungsmüdigkeit, Verwirrung und ständigen Stress spüren. Denn an den meisten Arbeitsplätzen ist der Wandel zum natürlichen Lebensraum geworden. Doch unsere jahrtausendealten Gehirne und Körper sind darauf nicht vorbereitet. Sind vielleicht die jungen, digitalen Führungskräfte unsere Retter? Was muss geschehen um sie zu befähigen, die Arbeitswelt vor dem Kollaps zu retten?

Vor diesem Hintergrund konzentrierte sich unsere Forschung in den letzten sechs Jahren auf die Frage, wie man in turbulenten Zeiten nicht nur überleben, sondern sogar erfolgreich sein kann. Und zwar konkret: Wie sieht Führung in turbulenten Umgebungen aus?  Sollte sich die Art und Weise, wie Führungskräfte heute führen, von derjenigen unterscheiden, wie sie in der Vergangenheit geführt haben?

Führungserfolg im digitalen Zeitalter sieht anders aus

Es wird Sie nicht überraschen, dass erfolgreiche Führung heute anders aussehen muss. Besonders drei Führungsqualitäten erscheinen erfolgversprechend:  die Beeinflussung von Verhaltensänderungen, die Förderung der Zusammenarbeit im Team und das Experimentieren. Diese drei Fähigkeiten basieren auf vielen Aspekten der Führung, in denen wir Führungskräfte seit fast 50 Jahren unterrichten, und die wir konventionelle Weisheiten nennen. Aber es gibt wichtige Veränderungen in Denkweisen, Fähigkeiten und Handlungen: die neuen – unkonventionellen – Ansätze, welche als Reaktion auf die turbulente VUCA Welt erforderlich sind (lesen Sie hier mehr dazu). Hier sind einige Beispiele dafür, was wir mit diesen Veränderungen meinen.

Belastbarkeit steigern statt Stress bewältigen

Bislang lag der Fokus bei der Bewältigung von Stress am Arbeitsplatz darauf, den Menschen Möglichkeiten zur Erholung und Erneuerung zu bieten.  Die Anstrengungen Menschen vor Stressfaktoren am Arbeitsplatz zu schützen sind lobenswert. Sie reichen aber nicht aus und können im Gegenteil sogar den Stress verschärfen.  Z.B. wenn Abwesenheitszeiten von Anrufen und Meetings überschattet werden „bei denen man einfach dabei sein muss“.  Oder das andere Extrem, von einem erholsamen und komplett arbeitsfreien Urlaub zurück zum Stress von Hunderten von unbeantworteten E-Mails und unerfüllten Anfragen.  Die Steigerung der Belastbarkeit ist mehr als nur Erholung. Es geht darum, in Menschen und Teams jene Antikörper aufzubauen, welche sie benötigen, um auf Stressfaktoren am Arbeitsplatz anders zu reagieren.  Das erfordert die Arbeit mit dem Stressor, nicht dessen Vermeidung. Und permanentes Lernen als Grundlage der Teamarbeit, damit das Team stärker ist, wenn der nächste Stressor kommt.

Vertrauen aufbauen statt perfekt umsetzen

Natürlich ist die bewusste Ausrichtung auf Ziele und Ergebnisse, auf Handlungsanweisungen, Prozesse und so weiter weiterhin entscheidend. Aber heutzutage reicht dies bei weitem nicht mehr aus. Das Veränderungstempo und die Häufigkeit, mit der Menschen und Teams sich bewegen und, manchmal von einem Tag auf den anderen, um 180 Grad drehen sollen kann ohne eine starke Vertrauensbasis einfach nicht geschehen. Ausrichtung ist ein kognitiver Zustand, Vertrauen ist jedoch emotional. Die Ausrichtung kann ohne Vertrauen existieren, aber eine Beschleunigung auf Warp-Geschwindigkeit erfordert beides.  Misstrauen führt dazu, dass selbst intellektuell ausgerichtete Menschen zweifeln, sich zurücklehnen, und Fragen stellen. Dies hat verheerende Folgen wenn schnelle Reaktion überlebenswichtig ist.  Turbulente Umgebungen erfordern, dass sich die Menschen ohne Angst vor dem Scheitern schnell bewegen, mitmachen und neue Dinge ausprobieren. Scheitern liegt in der Natur der Anpassung und des Lernens, was wiederum ein hohes Maß an Vertrauen erfordert.

Experimentieren statt sofort richtig entscheiden

Egal ob um einen Prozess, ein Produkt oder eine Kundenerfahrung geht: die Dinge richtig zu tun ist für Unternehmen in allen Branchen nach wie vor von entscheidender Bedeutung.  Aber bei dem Tempo der heutigen Veränderungen braucht es manchmal Experimente, um herauszufinden, was richtig ist.  Oder, wie einer unserer Kunden sagt: „Mit 80% kann man schon gut arbeiten und bei 90% wird es wiederholbar.“  Die Schlussfolgerung daraus?  Warten Sie nicht, bis Sie 100% erreicht haben! Denn bis Sie jemals dort ankommen, wird sich das Spiel höchstwahrscheinlich komplett verändert haben.

Junge Führungskräfte können die Welt nicht alleine retten

Sind die Führungskräfte des digitalen Zeitalters also die Superhelden, die uns vor dem Kollaps am Arbeitsplatz bewahren können?  Wahrscheinlich nicht. Sie sind schließlich auch nur Menschen. Gewöhnliche Menschen, von denen wir schon jetzt viel zu viel verlangen! Deshalb brauchen die Führungskräfte des digitalen Zeitalters Unterstützung von uns allen, von jedem Mitarbeiter an seiner jeweiligen Stelle. Und genau hier kommen Teams ins Spiel.  Denn das ist es, worum es beim Paradigmenwechsel von der Hierarchie hin zu den Teams geht.  Die Teams im digitalen Zeitalter müssen die Fähigkeiten für das digitale Zeitalter entwickeln. Sie müssen auf eine Art und Weise zusammenzuarbeiten, die zur gemeinsamen Entwicklung neuer Ideen und Arbeitsweisen führt, die es nie zuvor gegeben hat. Sie sollen ihre eigenen Verhaltensänderungen definieren, umsetzen und überwachen. Und sie bekommen die volle Verantwortung für ihre eigene Leistung und ihre eigene Widerstandsfähigkeit. Diese Liste können wir endlos fortschreiben.

Wir sind davon überzeugt: Mit dem dynamischen Duo aus Führungskräften des digitalen Zeitalters und Teams des digitalen Zeitalters hat der Veränderungskollaps in der Arbeitswelt keine Chance!

Dieser Beitrag stammt im Original von Ellen Foley und kann hier nachgelesen werden.

Kommentar

Ich akzeptiere

Danke für Ihren Kommentar