Faktencheck Personalwissen: die 7-38-55 Regel

Gerne zitieren Coaches und Trainer besagte 7-38-55 Regel, nach der unsere Kommunikation nur zu 7% aus dem Gesagten, aber zu 38% aus der Betonung und zu 55% aus der Körpersprache zusammengesetzt ist. Kommt es also zu Diskrepanzen zwischen dem, was wir sagen, und der Art, wie wir es sagen, wird Letzteres von den meisten Menschen als die wichtigere Information bewertet. Dies soll durch die Forschung von Albert Mehrabian zum Thema nonverbale Kommunikation belegt sein.

Was meinen Sie: Ist das falsch oder richtig?

Tortengrafik mit Prozentanteilen zur 7-38-55 Regel
Kommunikationsanteile gemäß Mehrabians 7-38-55 Regel

Unser Personalwissen zur 7-38-55 Regel: Leider falsch!

Zunächst raten wir Ihnen, vorsichtig zu sein, wenn Sie sich auf „Regeln“ beziehen, die solche genauen Prozentsätze angeben. Oft ist es unmöglich, mit voller Überzeugung zu sagen, dass „nur 7% der Kommunikation verbal ist“ und damit nonverbale Kommunikation mit 93% vorherrscht. In Bezug auf die 7-38-55 Regel entdeckten wir jedenfalls eine grobe Verallgemeinerung bei der Überprüfung der relevanten Studien.

Das sagt die Forschung zur 7-38-55 Regel

Schauen wir uns zunächst die beiden Studien genauer an, auf denen die Regel basiert: Decoding of inconsistent communications(1) und Inference of attitudes from nonverbal communication in two channels(2). In der ersten Studie wurde Teilnehmern ein einzelnes Wort in einer Reihe von Betonungen vom Band vorgespielt, wobei die Betonung dabei teilweise absichtlich der Bedeutung widersprach. Die Teilnehmer sollten danach einschätzen, wie sich die jeweilige Person fühlte. Das Ergebnis würde also bestätigen, ob die Betonung oder die Bedeutung des Wortes wichtiger ist.

In der zweiten Studie wurden die Teilnehmer gebeten, eine Aufnahme einer Frau anzuhören, die ein einzelnes Wort in verschiedenen Betonungen sagt. Den Teilnehmern wurden dann Fotos von weiblichen Gesichtern mit unterschiedlichen Emotionen gezeigt. Sie wurden gebeten, die Emotionen zu erraten, die den aufgenommenen Stimmen, den Fotos und den Kombinationen aus beiden am besten entsprachen.

Zu den wichtigsten Einschränkungen der Studien gehören:

  • Ein extrem künstlicher Kontext, der so eigentlich niemals auf die tatsächlichen menschlichen Interaktionen übertragen werden kann.
  • Die 7-38-55 Zahlenwerte, die sich aus unangemessen kombinierten Ergebnissen der beiden durchgeführten Studien ergeben.
  • Die Studien beziehen sich ausschließlich auf die Kommunikation über Gefühle und Einstellungen, nicht auf die Kommunikation im weiteren Sinne. Mehrabian selbst bemerkt dies auf seiner Website.
  • Die zweite Studie bezieht nur Frauen als Probanden ein.

Nonverbale Kommunikation: was können wir aus Mehrabians Forschung lernen?

Mit den oben genannten Einschränkungen im Hinterkopf, gibt es einige nützliche Hinweise, die aus den Studien zu ziehen sind. Die erste: es ist wichtig, den Kontext im Auge zu behalten! Wenn unsere Worte mehrdeutig oder unklar sind, dann verlassen sich Menschen vielleicht mehr auf die Betonung oder die Körpersprache, um die von uns gemeinte Bedeutung zu verstehen. Zweitens dienen die Studien als nützliche Erinnerung daran, dass wir zusätzliche Informationen aus der nonverbalen Kommunikation beziehen. Obwohl es keine genauen und klaren Werte für den Einfluss der Kommunikationsmethode auf das Kommunikationsergebnis gibt: Uns sollte bewusst sein, dass unsere Stimme, die Körpersprache und die Worte immer als Paket verstanden werden, wenn Menschen interpretieren, was wir sagen.

Insgesamt zählt die 7-38-55 Regel also zu jenen PERSONALgeWISSheitEN, die zu vereinfacht dargestellt werden. Anscheinend sind Prozentwerte also eher mit Vorsicht zu genießen, wie auch unser Beitrag zur Lernpyramide von E. Dale nahelegt. Was meinen Sie dazu? Zögern Sie nicht, diesen Beitrag zu kommentieren. Wir freuen uns auf Ihre Gedanken/Argumente/Meinungen zu diesem Thema!

Quellen:

  1. Mehrabian, A., & Wiener, M. (1967). Decoding of inconsistent communications. Journal of Personality and Social Psychology, 6(1), 109-114.
  2. Mehrabian, A., & Ferris, S. R. (1967). Inference of attitudes from nonverbal communication in two channels. Journal of Consulting Psychology, 31(3), 248-252.