Personalwissen im Faktencheck: Dunning-Kruger-Effekt

Hier hinterfragen wir Personalwissen aus den Bereichen Personalentwicklung und Führung. Im vierten Teil geht es heute um den Dunning-Kruger-Effekt. Der Dunning-Kruger-Effekt postuliert, dass sich Menschen selbst umso kompetenter zu einem Thema einschätzen, je weniger kompetent sie in jenem bestimmten Bereich sind. Im Wesentlichen führt also ein Mangel an Wissen oder Bewusstsein zu einem übermäßigen Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Das folgende, Charles Darwin zugeschriebene Zitat, scheint das zu bestätigen:

Ignoranz schafft häufig mehr Vertrauen, als Wissen.
Charles Darwin

Was meinen Sie: Ist das falsch oder richtig?

Die Grafik zum Dunning-Kruger-Effekt zeigt, wie Selbsteinschätzung und Kompetenz im Zusammenhang stehen
Der Dunning-Kruger- Effekt

Unser Personalwissen zum Dunning-Kruger-Effekt: nicht ganz richtig wiedergegeben!

Diese kognitive Verzerrung bezieht sich auf Menschen, die bei einer Aufgabe inkompetent agieren, sich aber aus Unwissenheit selbst als Leistungsträger einschätzen. Der Effekt wurde von den Psychologen Justin Kruger und David Dunning mittels einer Studie an Studenten erforscht. Diese wurden in den Bereichen Humor, Grammatik und Logik getestet. Dann wurden die Selbsteinschätzungen der Studenten in den jeweiligen Bereichen mit den tatsächlichen Ergebnissen der Tests verglichen. Der Dunning-Kruger-Effekt hat in jüngster Zeit in der populären Psychologie wieder an Bedeutung gewonnen. Die Ergebnisse werden oft mit „Je weniger Ahnung Menschen haben, desto mehr neigen sie zur Selbstüberschätzung.“ zusammengefasst.

Das sagt die Forschung zum Dunning-Kruger-Effekt

Die Interpretation dieses Effekts unterscheidet sich signifikant von der tatsächlichen Wirkung, die von David Dunning und Justin Kruger entdeckt wurde. Es sind nicht nur „die Inkompetenten“, die ihre Leistung überschätzen. Fast jeder tut dies, nur der Abstand scheint am unteren Ende der Skala etwas größer zu sein. Das bedeutet, dass diejenigen, die weniger kompetent sind, einen größeren Abstand zwischen ihrer Selbsteinschätzung im Vergleich zu ihrem tatsächlichen Kompetenzniveau aufweisen.

Ein möglicher Grund für diese Diskrepanz zwischen wahrgenommener und tatsächlicher Kompetenz bei diesen Personen ist, dass ihnen möglicherweise das Wissen und die Fähigkeiten fehlen, realistisch einzuschätzen, wie kompetent sie wirklich für eine bestimmte Aufgabe sind. Sobald diese Probanden ihr Wissen und ihre Fähigkeiten entsprechend erweitern, schließt sich die Lücke zwischen Wahrnehmung und Realität (Yarkoni, T. 2010).

Wenn wir uns auf der Kompetenzskala nach rechts bewegen, verringert sich die Kluft zwischen tatsächlicher und wahrgenommener Kompetenz. Ein interessantes Ergebnis der Forschung ist die Erkenntnis, dass Menschen, die im oberen Quartil beheimatet sind, ihre Kompetenz letztendlich sogar leicht unterschätzen! Übertragen auf Alltagssituationen erklärt der Effekt also, warum Fahranfänger besonders zur Selbstüberschätzung neigen und denken, ihr Fahrzeug sicher bewegen zu können. Ihnen fehlt die Erfahrung der eigenen Grenzen, um ihr Kompetenzniveau realistisch einschätzen zu können. Spezielle Fahrtrainings sind für diese Gruppe deshalb besonders sinnvoll.

Aber auch langjährige Autofahrer scheinen für den Dunning-Kruger-Effekt anfällig zu sein: Die Saarbrücker Zeitung listete Anfang April 2019 in einem Artikel eine ganze Reihe internationaler Studien auf, die das bestätigen. So meinte die überwiegende Mehrheit von Befragten, besser als der Durchschnitt Autofahren zu können, was ja schon rein statistisch nicht plausibel ist. Ein möglicher Erklärungsansatz legt die Verbindung zwischen Autofahren und dem Bedürfnis nach Autonomie nahe. Dieses aus der Selbstbestimmungstheorie (SDT) bekannte Grundbedürfnis scheint besonders anfällig für Selbstüberschätzung zu machen, beispielsweise auch wenn es um Studien- oder Schulleistungen geht. Wenn Sie mehr zu Grundbedürfnissen und SDT erfahren wollen, erfahren Sie mehr in diesem Beitrag.

Der Dunning-Kruger-Effekt zählt also zu jenen PERSONALgeWISSheitEN, die manchmal etwas vereinfacht dargestellt werden (doch nicht etwa aus Selbstüberschätzung?). Eine interessante Abhandlung über die Auswirkungen davon können Sie hier lesen. Was meinen Sie dazu? Zögern Sie nicht, diesen Beitrag zu kommentieren. Wir freuen uns auf Ihre Gedanken/Argumente/Meinungen zu diesem Thema!