Personalwissen im Faktencheck: das dynamische Selbstbild

Hier hinterfragen wir Personalwissen aus den Bereichen Personalentwicklung und Führung. Im sechsten Teil geht es heute das dynamische Selbstbild, auch bekannt als „growth mindset“. Ein dynamisches Selbstbild beinhaltet die angeborene Überzeugung, dass unsere Fähigkeiten durch harte Arbeit und Anstrengung beeinflusst werden können. Man nimmt an, dass dieses dynamische Selbstbild Menschen langfristig erfolgreicher macht als jene mit einem statischen Selbstbild.

Was meinen Sie: Ist das falsch oder richtig?

Gegenüberstellung dynamisches und statisches Selbstbild
Dynamisches versus statisches Selbstbild

Unser Personalwissen zum dynamischen Selbstbild: das ist richtig!

Der Begriff „Growth Mindset“ wurde von der Psychologin Carol Dweck geprägt. Dwecks Forschung untersuchte, welchen Einfluss unsere Überzeugungen über uns selbst auf unsere Lernfähigkeit haben können. Sie entdeckte, dass Menschen mit dieser dynamischen Selbstbild davon überzeugt sind, dass ihre eigenen Fähigkeiten durch harte Arbeit und Anstrengung beeinflusst werden können. Im Gegensatz dazu glauben Menschen mit einem statischen Selbstbild, dass Charakter, Intelligenz und kreative Fähigkeiten festgelegt sind und nicht verändert werden können. Diejenigen mit einem dynamischen Selbstbild haben sich auf lange Sicht als erfolgreicher erwiesen, da sie das Scheitern eher als eine Chance zum Lernen und Wachsen sehen. Menschen mit einer statischen Selbstsicht betrachten das Scheitern jedoch als etwas, das außerhalb ihrer Kontrolle liegt und geben daher umgehend auf.

Das sagt die Forschung zu Selbstbildern und Mindsets

Studien haben gezeigt, dass sich dynamische Selbstbilder wahrscheinlich positiv auf die Ergebnisse im Bildungsbereich auswirken werden. Allerdings ließen sich die Ergebnisse der Originalarbeit nicht reproduzieren. Deshalb haben andere Wissenschaftler die Methoden der Originalarbeit intensiv diskutiert und argumentiert, dass die ursprünglich genannten Effektgrößen zu groß waren, um überhaupt als plausibel angesehen zu werden. Dweck und ihren Mitautoren sollte man zu Gute halten, dass sie die Fehler anerkannt und korrigiert haben. Sie waren sehr offen, was die Weiterentwicklung ihrer Forschung betrifft .

Eine im Jahr 2015 von Dweck veröffentlichte Erklärung räumt ein, dass die Realität hinter der Mindset-Forschung viel nuancierter ist als die Vorstellung, die das öffentliche Bewusstsein im Sturm erobert hat. „Vielleicht ist das häufigste Missverständnis, dass das dynamische Selbstbild einfach mit Anstrengung gleichgesetzt wird. Sicherlich ist Anstrengung der Schlüssel für die Leistung der Schüler, aber sie ist nicht das Einzige“, sagt Dweck, „die Schüler müssen neue Strategien ausprobieren und Input von anderen suchen, wenn sie feststecken. Sie brauchen dieses Repertoire an Ansätzen – nicht nur reine Anstrengung – um zu lernen und sich zu verbessern. Wir müssen uns auch daran erinnern, dass Anstrengungen letztlich nur ein Werkzeug sind, um das Ziel des Lernens und des Besserwerdens zu erreichen. Heutzutage werden allzu oft Schüler dafür gelobt, dass sie sich bemühen, obwohl sie nicht erfolgreich gelernt haben, damit sie sich im Moment gut fühlen: „Großartige Leistung! Du hast dein Bestes gegeben!“ Es ist gut, dass die Schüler es versucht haben, aber es ist nicht gut, dass sie nichts lernen.“

Die wichtigsten Ergebnisse neuerer Studien zeigen, dass ein dynamisches Selbstbild viel schwieriger zu verinnerlichen ist, als man dies annehmen würde. Als Experten für Lernen und Personalentwicklung müssen wir uns bewusst sein, dass es bei einer Wachstumsmentalität um mehr geht als nur um die richtigen Rahmenbedingungen. Es muss auch, auf der Basis von Feedback, die Anpassung und Umsetzung während eines Lernprozesses beinhalten. Von einem ganzheitlicheren Standpunkt aus betrachtet, ist das growth mindset ein Meilenstein im Bereich des Lernens.

Selbstbilder sind also eine von jenen PERSONALgeWISSheitEN, die wirklich einen fundierten Hintergrund haben. Was meinen Sie dazu? Zögern Sie nicht, diesen Beitrag zu kommentieren. Wir freuen uns auf Ihre Gedanken/Argumente/Meinungen zu diesem Thema!