Personalwissen im Faktencheck: Gestaffeltes Wiederholen

Hier hinterfragen wir Personalwissen aus den Bereichen Personalentwicklung und Führung. In Teil 2 geht es heute um gestaffelte Wiederholungen (im Englischen als Spaced Repetition bezeichnet). Dies ist eine Lerntechnik, die eine Erhöhung der Zeitabstände zwischen den Wiederholungen von zuvor erlerntem Lehrmaterial beinhaltet. Sie gilt als eine effektive Lerntechnik und eine, welche die Merkfähigkeit wesentlich erhöht.

Was meinen Sie: Ist das falsch oder richtig?

Durch gestaffeltes Wiederholen bleibt Lernstoff besser im Gedächtnis
Zeitintervalle für die gestaffelte Wiederholung

Unser Personalwissen zum Thema gestaffeltes Wiederholen: absolut richtig!

Gestaffeltes Wiederholen ist eine Lerntechnik, welche die Zeitabstände zwischen den nachfolgenden Wiederholungen von zuvor erlerntem Material erhöht, um besser und effektiver zu lernen. Die Effektivität dieser Lernmethode soll aus unserer Fähigkeit resultieren, den psychologischen Abstandseffekt zu nutzen. Dieser Effekt ist ein Gedächtnisphänomen, das es unserem Gehirn ermöglicht, besser zu lernen, wenn wir diesen Prozess über Zeitintervalle ausdehnen. Wenn Sie zum Beispiel für einen Test lernen, der in einer Woche stattfindet, machen Sie Ihre erste Unterrichtsstunde heute, beginnen eine weitere übermorgen und machen dann Ihre letzte Wiederholungsstunde kurz vor dem Test.

Das sagt die Forschung zum Lernkonzept gestaffeltes Wiederholen

Etwas zu lernen und dies über die Zeit zu verteilen, anstatt es auf einmal zu bündeln, führt tatsächlich dazu, dass diese Informationen besser in Erinnerung behalten werden. Abgesehen vom Abstandseffekt, welcher gelegentlich auch als verteiltes Lernen bezeichnet wird, gibt es noch einige andere bekannte Theorien, welche die Vorteile des verteilten Lernens für die langfristige Informationsspeicherung erklären können.

Während der gestaffelten Wiederholung ruft eine Person immer wieder Informationen aus dem Gedächtnis ab. Diese Abfrage betrifft den Prozess, mit dem später auf etwas im Gehirn Gespeichertes zugegriffen wird. So einfach das auch klingen mag, dieser zerebrale Prozess an sich sorgt bereits für ein verbessertes Gedächtnis.

Ein weiterer Gesichtspunkt legt den Schwerpunkt auf den Kontext der Lernumgebung. Jedes Mal, wenn erlernte Informationen in den Gedächtnisspeicher gelangen, werden Fragmente des Kontextes mit eingebettet. Dadurch erhält das Gehirn zusätzliche „Verknüpfungen“ zur ursprünglichen Erinnerung. Durch die Aufteilung der Lernwiederholungen entstehen also mehr Möglichkeiten, variable Kontexte in eine Erinnerung zu kodieren und die Informationen zu lernen.

Eine andere Hypothese betrifft das Konzept der mangelhaften Verarbeitung. Dies bezieht sich auf eine verminderte Aufmerksamkeit für einen bestimmten Gegenstand, wenn es sich um den gleichen handelt, der bereits vorgestellt wurde. Genau dies geschieht beim Versuch, in einem kurzen Zeitraum viel zu lernen. Durch Das gestaffelte Wiederholen wird dieser Effekt vermieden.

Wie weit sollten die Lernintervalle voneinander entfernt sein?

Die Größe eines Intervalls ist davon abhängig, wie lange die Informationen aufbewahrt werden müssen. Wenn Sie sich für einen Test in einer Woche vorbereiten, können verteilte Wiederholungen von einem Tag sehr effektiv sein. Wenn die Informationen jedoch innerhalb eines Jahres benötigt werden, können Intervalle von etwa einem Monat sinnvoller sein.

Gestaffeltes Wiederholen ist also eine von jenen PERSONALgeWISSheitEN, die eingängig und richtig sind. Was meinen Sie dazu? Zögern Sie nicht, diesen Beitrag zu kommentieren. Wir freuen uns auf Ihre Gedanken/Argumente/Meinungen zu diesem Thema!
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Quellen:

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Kang, Sean H. K. “Spaced Repetition Promotes Efficient and Effective Learning.” Policy Insights from the Behavioral and Brain Sciences, vol. 3, no. 1, 2016, pp. 12–19., doi:10.1177/2372732215624708.
Wahlheim,  C.  N.,  Maddox,  G.  B.,  &  Jacoby,  L.  L.  (2014).  The  role of reminding in the effects of spaced repetitions on cued recall:  Sufficient  but  not  necessary.  Journal  of  Experimental  Psychology: Learning, Memory, and Cognition, 40, 94-105.
Glenberg,  A.  M.  (1979).  Component-levels  theory  of  the  effects  of spacing of repetitions on recall and recognition. Memory & Cognition, 7, 95-112.
Magliero, A. (1983). Pupil dilations following pairs of identical and related  to-be-remembered  words.  Memory  &  Cognition, 11, 609-615.