Faktencheck Personalwissen: Lernpyramide nach Dale

Hier hinterfragen wir Personalwissen aus den Bereichen Personalentwicklung und Führung. In Teil 1 geht es heute um die Lernpyramide. Entwickelt von Edgar Dale dient diese als visuelles Lern- und Entwicklungsmodell, das aus 11 Stufen besteht und mit konkreten Erfahrungen am Boden der Pyramide beginnt. Einfach ausgedrückt, besagt die auch als „Kegel der Erfahrung“ bekannte Pyramide, dass wir uns 90% von dem, was wir sagen und tun, merken können. Dieser Wert nimmt zur Spitze der Pyramide hin ab, wo nur 20% vom Gehörten und lediglich 10% vom Gelesenen erinnert werden. Unten sehen Sie ein Bild, das dies veranschaulicht.

Was meinen Sie: Ist das falsch oder richtig?

Dales Lernpyramide stellt einen Zusammenhang zwischen Erfahrung und Lernerfolg her.
Die Lernpyramide nach Edgar Dale

Unser Personalwissen zur Lernpyramide nach Dale: leider falsch!

Gemäß der Lernpyramide sollen sich Probanden umso merken können, je konkreter ihre Lernerfahrungen sind. Demnach sollten folgende Prozentsätze gelten:

  • 10% von dem, das wir lesen
  • 20% von dem, das wir hören
  • 30% von dem, das wir sehen
  • 50% von dem, was wir sehen und hören
  • 70% von dem, was wir sagen
  • 90% von, was wir selbst tun

Das sagt die Forschung zur Lernpyramide heute

Die genauen Ursprünge der oben genannten Prozentsätze sind unbekannt, da sie in Dales ursprünglicher Formulierung der Pyramide nicht vorhanden waren (Dale, E. (1954). Audio-visual methods in teaching. New York: Dryden. p. 42). Tatsächlich war es zunächst nicht Dales Absicht, die Merkfähigkeit herauszuarbeiten. Der Fokus lag eher auf der Abstraktion. Die Idee dahinter ist, dass die Erfahrungen abstrakter werden, wenn man sich innerhalb der Pyramide nach oben bewegt. Es ist überhaupt nicht ersichtlich, dass diese Abstraktionen auf höherer Ebene irgendwie mit der Ausprägung der Merkfähigkeit zusammenhängen. Schon gar nicht mit der Genauigkeit, die die oft zitierten Prozentsätze implizieren.

Die Menge, die eine Person lernt, variiert stark und ist abhängig von Inhalt, Kontext und Lernziel. Studien zur Merkfähigkeit zeigen, dass Menschen zwischen 0% und 94% vergessen (Thalheimer, W., 2010). Während die Lehrmethoden relevant bleiben, gibt es keine Beweise dafür, dass die Beziehung zwischen Lehrmethode und Merkfähigkeit annähernd so klar oder vorhersehbar ist, wie es die Lernpyramide vorgibt. Darüber hinaus können andere Faktoren wie die bisherige Erfahrung oder Ausbildung des Lernenden sowie der Einsatz von Verstärkungstechniken die langfristige Bewahrung von Informationen erheblich beeinflussen. Daher sollten bei jedem Modell, das so eingängige und anschauliche Erklärungen liefert, die Fakten berücksichtigt werden.

Die Lernpyramide ist also eine von jenen PERSONALgeWISSheitEN, die zwar eingängig aber so nicht 100-prozentig richtig sind. Was meinen Sie dazu? Zögern Sie nicht, diesen Beitrag zu kommentieren. Wir freuen uns auf Ihre Gedanken/Argumente/Meinungen zu diesem Thema!