Personalwissen im Faktencheck: Lernstile

Hier hinterfragen wir Personalwissen aus den Bereichen Personalentwicklung und Führung. Im dritten Teil geht es heute um Lernstile. Der Begriff „Lernstile“ besagt, dass sich unsere individuellen Lernfähigkeiten auf bestimmte Unterrichtsformen beziehen. Einige Leute reagieren positiver auf bestimmte Medien und Kommunikationsmittel wie z.B. visuelle als auf andere, beispielsweise geschriebene oder gesprochene Informationen.

Was meinen Sie: Ist das falsch oder richtig?

Drei Kreise zeigen den auditiven, taktilen und visuellen Lerner
Lernstile nach Kommunikationspräferenz

Unser Personalwissen zu Lernstilen: leider falsch!

Die Theorie der Lernstile besagt, dass unsere individuellen Lernfähigkeiten besser auf bestimmte Unterrichtsformen reagieren. Einige Menschen reagieren positiver auf bestimmte Medien als auf andere. Deshalb sollte zunächst der Lernstil einer Person bestimmt und dann die Unterrichtsform auf diesen Lernstil angepasst werden. Entsprechend sollten Trainer die einzelnen Lernstile verstehen und dann nutzen, indem sie die relevanten Unterrichtsformen entsprechend optimieren.

Es gibt viele beliebte Lernstilmodelle, aber vielleicht eines der bekanntesten ist Neil Flemings VARK-Modell, das vier Lernstile bietet:

  • Visuell
  • Auditiv
  • Lesen/Schreiben (Reading/Writing)
  • Taktil (Kinästhetisch)

Das sagt die Forschung zur Theorie der Lernstile

Es ist wissenschaftlich belegt, dass Menschen Präferenzen haben, wie Informationen ihnen präsentiert werden sollten. Allerdings gibt es keine Belege dafür, dass sich die Anpassung von Unterrichtsstilen an diese Präferenzen positiv auf die Lernergebnisse auswirkt. Eine Studie des British Journal of Psychology befragte Schüler über ihre jeweiligen Vorlieben. Auch jene, die visuelle, d.h. über Bilder statt über Wörter vermittelte Informationen bevorzugten, lernten nicht weniger, wenn Sie gesprochene oder geschriebene Informationen erhielten. Mit anderen Worten, es gab keine sichtbaren Auswirkungen auf das Lernergebnis.

Wenn die Theorie der Lernstile wahr wäre, würden wir feststellen, dass die Lehrmethode, die sich für Schüler mit einem Lernstil am effektivsten erweist, nicht die effektivste Methode für Schüler mit einem anderen Lernstil ist. Es gibt jedoch keine Beweise für diese Behauptung.

Natürlich haben Menschen auch unterschiedliche Fähigkeiten. Das ist eine Tatsache. Hat eine Person beispielsweise ein schlechtes Seh- oder Hörvermögen, muss die Unterrichtsmethode selbstverständlich an die Lernfähigkeiten dieser Person angepasst werden. Dies unterscheidet sich jedoch von einem Lernstil, bei dem die Präferenz einer Person theoretisch ihre Lernfähigkeit beeinflusst.

Was funktioniert also?

Es gibt Hinweise darauf, dass multimodales Lernen für die Lernenden effektiver sein kann. Das bedeutet, dass die Integration von Video und Audio effektiver sein kann als nur Audio oder nur Video alleine. Die Nutzung verschiedener Kanäle zur Vermittlung von Inhalten kann effektiver sein, da wir mehr/unterschiedliche Informationen zwischen diesen verschiedenen Kanälen aufnehmen können. Dem tragen wir in unseren Seminaren durch den Einsatz verschiedener Lernformate Rechnung.

Lernstile sind also eine von jenen PERSONALgeWISSheitEN, die eingängig, aber leider nicht 100 prozentig richtig sind. Was meinen Sie dazu? Zögern Sie nicht, diesen Beitrag zu kommentieren. Wir freuen uns auf Ihre Gedanken/Argumente/Meinungen zu diesem Thema!