Ivana Lee und Michael Harris

In Zeiten, in denen der Wandel die einzige Konstante zu sein scheint, ist es wichtiger denn je, belastbare Teams aufzubauen und zu pflegen. AchieveForum ist da keine Ausnahme. Im vergangenen Jahr haben wir einen Schritt in die größte Veränderungsinitiative getan, die unser Unternehmen je gesehen hat. Zu diesem Zeitpunkt tauchte in unseren Gesprächen fast täglich die Frage auf, welche Rolle Resilienz am Arbeitsplatz spielt. Entsprechend haben wir eine breit angelegte Umfrage initiiert. Sie sollte herausfinden, vor welchen Herausforderungen andere Unternehmen stehen und wir selbst wollten lernen, wie wir anderen helfen können, Veränderungen und Fluktuationen besser zu begegnen. Ein Ergebnis ist das neue Trainingsprogramm „Resilienz aufbauen“, das kürzlich Premiere feierte.Ivana Lee – Director of Global Partnerships, traf sich mit Michael Harris – AchieveForum’s Trainer, Coach und Leiter des Trainernetzwerks, um über das erste „Resilienz aufbauen“ Training in Sydney zu sprechen und mehr über die Bedeutung von Resilienz am Arbeitsplatz zu erfahren.

  • Michael, es ist toll, dich wieder in Singapur zu sehen, willkommen! Willkommen zurück, sollte ich sagen. Du und ich arbeiten schon seit ein paar Jahren zusammen, aber könntest du unseren Lesern bitte ein wenig von dir erzählen?

Hallo Ivana, vielen Dank für deinen herzlichen Empfang! Ich arbeite seit über 30 Jahren in den Bereichen Lernen und Entwicklung. 1991 kam ich als National Client Service Manager zu AchieveForum Australien, wo ich für die Anpassung und Durchführung von Trainingsprojekten in verschiedenen Unternehmen verantwortlich war. Als Berater habe ich zahlreiche Trainingslösungen konzipiert und implementiert, die sich auf die Schaffung einer Verhaltensänderung konzentriert haben, die es Unternehmen ermöglicht, ihre Geschäftsziele zu erreichen.

  • Vor ein paar Wochen hast du erstmals das „Resilienz aufbauen“ Training in Australien durchgeführt. Ein Programm, das uns in der Region Asien-Pazifik sehr am Herzen liegt. Möchtest du ein paar Einblicke mit uns teilen?

Wir hatten eine gemischte Gruppe von Leitern aus verschiedenen Funktionen. Es wäre einfach, jetzt ausführlich über den Inhalt des Programms zu sprechen, aber dies würde dem Thema in vielerlei Hinsicht nicht gerecht werden. Denn die Entscheidung für diesen Workshop wurde getroffen, weil das Unternehmen die Auswirkungen der häufigen und konstanten Veränderungen verstanden hat. Schließlich wuchs es in der Vergangenheit stark, ist ein Unternehmen mit ehrgeizigen Wachstumszielen und hat durch Akquisitionen vor Kurzem eine Reihe neuer Geschäftsbereiche dazu bekommen.

Es war eine Gelegenheit, ein tieferes Gespräch darüber zu führen, was Resilienz für alle auf persönlicher Ebene bedeutet und wie sie ihre Bewältigungsstrategien verbessern und dazu beitragen können, dass ihre Teams auch für den stetigen Wandel gerüstet sind. Ich glaube, dass es für die Menschen entscheidend ist, sich aktiv Zeit zu nehmen, um sich wieder aufzuladen und sich neu zu konzentrieren, und dass dieses Element im Mittelpunkt der gesamten Resilienzdiskussion steht.

Jeder rast, um mit dem Tempo des heutigen Arbeitsumfeldes Schritt zu halten. Nur sehr wenige nehmen sich aktiv Zeit für sich selbst, und das wirkt sich sichtbar auf die individuelle Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit an Veränderungen aus. Bei vielen Führungsteams, mit denen ich derzeit zusammenarbeite, ist mein beständigstes Feedback an ihre jeweiligen Organisationen, dass diese Führungskräfte unter Veränderungsermüdung leiden. Es ist diese Müdigkeit, die sich auf ihre Anpassungsfähigkeit und ihr Wohlbefinden auswirkt.

  • Wie lange gibt es das Thema schon und warum hören wir jetzt so oft davon? Hat sich im Laufe der Jahre etwas verändert? Wie oft kommt es in deinen Gesprächen mit Kollegen, Kunden und sogar Freunden vor?

Resilienz ist nichts Neues, wir sprechen schon seit langem darüber. Wahrscheinlich hat jede Generation in ihrer jeweiligen Arbeitswelt Veränderungen und die damit verbundenen Auswirkungen erlebt. Was sich deutlich verändert hat ist die Technologie, die unterschiedliche Erwartungen und die Struktur unserer Arbeitsweise geprägt hat, was wiederum das Tempo des Wandels erhöht hat.

Deutlich schlankere Organisationen legen mehr Wert auf Einzelpersonen, die mehr mit viel weniger tun. Leider gibt es den irreführenden Mythos, dass die effektivsten und erfolgreichsten unter uns diejenigen sind, die permanent auf hohem Niveau arbeiten können, ohne eine Minute zu pausieren. Man meint, dass sie die Resilienz-Gleichung gemeistert haben, was vielleicht für einige von ihnen auch stimmt.

Was sich nicht an das Tempo des Wandels angepasst hat, ist die Art und Weise, wie wir die Arbeit sehen. Meiner persönlichen Meinung nach wird der Schwerpunkt noch viel zu stark auf die persönliche Präsenz eines Mitarbeiters gelegt, die mit seiner persönliche Leistungsfähigkeit gleichgesetzt wird. Da die Technologie in einem solchen Tempo voranschreitet, müssen wir die Arbeit mit einer anderen Perspektive betrachten. Auch das Schlagwort „Work-Life-Balance“ muss im Detail untersucht werden, denn es bedeutet, dass es einen Zielkonflikt gibt. Und dieser Zielkonflikt scheint zunehmend zulasten des Arbeitnehmers zu gehen.

Ich kenne nur sehr wenige Leute, die in der Lage waren, aus dem Büro zu gehen und abzuschalten, und die moderne Technik hat das Abschalten viel unwahrscheinlicher gemacht. Zunehmend scheint die Technologie das Leben der Menschen zu beherrschen. Wir müssen die volle Verantwortung dafür übernehmen und die Dynamik verändern. Bei der Neugewichtung muss es darum gehen, wie und wo wir Arbeit erledigt bekommen. Es muss akzeptiert werden, dass körperliche Abwesenheit nicht gleichbedeutend ist mit Ineffektivität. Wir müssen einen flexibleren Rahmen anwenden, der es uns ermöglicht, mit unserer Zeit effektiver zu sein. Das neue Schlagwort lautet „Integration“, welche im Kern anerkennt, dass Arbeit ein Balanceakt ist. Sich während der Arbeitszeit eine Auszeit zu nehmen, um sich neu aufzuladen und Achtsamkeit zu praktizieren, sollte die neue Grundeinstellung werden.

  • Glaubst du, dass es einen Zusammenhang zwischen persönlicher und beruflicher Belastbarkeit gibt? Sind sie ein und dasselbe? Sollen wir das Gelernte in unserem persönlichen Leben anwenden oder persönliche Erfahrungen in die Arbeit einbringen?

Ich bin nicht überzeugt, dass es einen Zusammenhang zwischen persönlicher und beruflicher Belastbarkeit gibt. Schließlich kommt es auf die Bewältigungsstrategien jedes Einzelnen an: wie wir gelernt haben, mit dem stetigen Wandel umzugehen, und auch wie wir uns selbst die Dinge erklären.

Das Eindringen von Technologie und ihre Auswirkungen auf unser persönliches Leben ist etwas, das untersucht werden muss. Ich treffe Einzelpersonen, die technikfreie Tage haben, und ich treffe immer wieder auf Führungskräfte, die ihr Handy bewusst an einem Freitag in der Arbeit lassen. Sie entscheiden ganz bewusst, sich am Wochenende nicht mit Problemen oder E-Mails zu befassen. Diese Manager haben anscheinend ein besseres Gleichgewicht für sich selbst gefunden und das kann ein entscheidender Unterschied sein – keiner von uns ist unersetzlich.

Auch hier ist es oft gut, dass du die Arbeit abbrichst und dich ein wenig entspannst;
denn wenn du auf sie zurückkommst, bist du ein besserer Richter.
Denn zu nahes Sitzen bei der Arbeit kann dich stark täuschen.

– Leonardo da Vinci

  • Welche sind einige der häufigsten Fehleinschätzungen? Ich wäre sehr daran interessiert, herauszufinden, was einige der unterschätzten Dinge/Taktiken/Verhaltensweisen sind, die eine Führungskraft anwenden könnte, um ein Umfeld zu schaffen, das Team- oder individuelle Resilienz fördert?

Die häufigste Fehlwahrnehmung von Resilienz ist, dass sie die magische Antwort auf eine sich verändernde Welt ist. Es besteht kein Zweifel, dass Resilienz im Moment „im Trend“ liegt, und ich möchte die Bedeutung des Aufbaus von Resilienz nicht minimieren. Aber es gibt inhärente Elemente am Arbeitsplatz, die ebenfalls untersucht und angepasst werden müssen.

Wenn Einzelpersonen mehr Flexibilität in ihre Denkweise über Arbeit einbauen können, wird diese Denkweise ihre persönliche Resilienz deutlich erhöhen.

Als Erstes sollten Führungskräfte anfangen, den Rat zu befolgen, den uns die Fluggesellschaften seit über 50 Jahren bei der Sicherheitseinweisung geben. Vor dem Start wird uns gesagt, dass es im unwahrscheinlichen Fall von Sauerstoffmasken, die aus der Decke fallen, ratsam ist, erst die eigene Maske zu befestigen, bevor man versucht, anderen zu helfen – dies ist für mich das Herzstück zur Beherrschung der Belastbarkeit.

Wenn Führungskräfte nicht das Verhalten der Selbsthilfe demonstrieren und ihr Wohlbefinden in den Vordergrund stellen, ist es für andere schwierig, es nachzuahmen. Dies sollte nicht mit Egoismus verwechselt werden! Aber die Aufmerksamkeit für unsere eigene Gesundheit und unser Wohlbefinden muss Priorität haben, denn nur innerhalb einer persönlichen, gesunden Denkweise kann ich in der Lage sein, anderen zu helfen. Als Teil unseres Trainings „Resilienz aufbauen“ ermutigen wir deshalb die Führungskräfte, eine Bewertung der Resilienz ihres Teams vorzunehmen, und es gibt ein persönliches Profil, das den Führungskräften Tipps in Bezug auf ihre eigenen Bewältigungsstrategien, Stärken und Schwächen gibt.

  • Vielen Dank, Michael, für deine fundierte Einschätzung und alles Gute weiterhin!

Den Originalbeitrag von AchieveForum finden Sie hier. Übersetzt von Michael Hopke.

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